Druckgraphik ist ein faszinierendes breitgefächertes Sammelgebiet mit nahezu unbegrenztem Spektrum der Spezifikation wie auch des scheinbar ungeordneten Zusammentragens schöner, esthetischer, historisch interessanter oder postmodern aufregender gedruckter Kunst oder gedruckten Kunsthandwerks auf Papier. Die Druckgraphik ist eine sehr alte Kunstgattung, die ihre Aktualität und Faszination sowohl für den Sammler und Betrachter, als auch für den Künstler und Kunsthandwerker bis heute nie verloren hat.  

 

Druckgraphik - Was ist das ?

Druckgraphik ist die drucktechnische Vervielfältigung zeichnerischen Bildgestaltens. Der Begriff "Druckgraphik" beschränkt sich im engeren und auf dieser Seite verstandenen Sinne allein auf die kunsthandwerkliche und künstlerische Druckgraphik. Der Einzelabzug wird als Druckgraphik bezeichnet und existiert im Normalfall neben weiteren Einzelabzügen derselben Druckplatte oder desselben Druckstocks her, stellt also kein Unikat dar. Sie bildet einen Gegensatz zu den Monotypien, die alle Einzelanfertigungen sind und insofern Unikatcharakter haben.

Die Graphik - das Einzelblatt als Druckerzeugnis

Das durch den Druckprozeß geschaffene Einzelblatt wird in der Fachsprache der Graphiker und Sammler als Abzug bezeichnet. Die Gesamtzahl der Abzüge eines Blattes ist die Auflage. Die Anzahl der Abzüge von einem Druckstock oder von einer Druckplatte liegt einerseits an Art und Weise des Druckvorgangs und der Drucktechnik, andererseits liegt es ganz im Ermessen des Künstlers und Druckers, auf welche Stückzahl er die Auflage seiner Graphik limitiert.

Die Limitierung der Auflage dient dem Schutz des Künstlers vor unbefugter Neuauflage und vor Nachdrucken. Die Höhe der Auflage wird seit etwa 1880 eigenhändig vom Künstler auf dem gedruckten Blatt vermerkt und mit der handschriftlichen Signatur bestätigt. Später und bis heute wurde dazu übergegangen, der Höhe der Auflage die Nummer des Einzelblatts voranzustellen ("43/70" bedeutet, dass das vorliegende Blatt der 43. Druck einer Gesamtauflage von 70 Blatt ist). Diese handschriftlichen Angaben sind seit der Einführung der handschriftlichen Signatur ein wichtiges Erkennungs- und Echtheitsmerkmal.

Sonderabzüge

Es gibt allerdings auch Drucke, die außerhalb dieser regulären Auflage produziert wurden. Diese Abzüge werden auch Vorzugsdrucke genannt und sind im Normalfall viel seltener als die offiziell nummerierte Auflage und deshalb unter Sammlern noch heißer begehrt als die regulären Auflagendrucke eines Druckstocks:

  • Blätter "avant la lettre"
    "Avant la lettre" bedeutet "vor der Schrift" und bezeichnet Drucke, die als Probeabzüge der Zeichnung angefertigt wurden, bevor der Schriftstecher den Druck mit der nötigen Adresse (Beschriftung) versehen hat. Solche Abzüge zeichnen sich durch eine sehr frische Farbe aus und sind zu Teil noch unvollstän-dig; zum Beispiel können auch noch einzelne Randpartien oder großflächige Bereiche des Bildes un-ausgeführt sein.
  • Probedrucke "Epreuve d'Etat"
    Man nennt diese Testabzüge einer Auflage auch "Epreuve d'Etat". Es handelt sich hier um sehr seltene Zustandsdrucke vor der endgültigen Fertigstellung der Druckformen.
  • Künstlerexemplare "Epreuve d'Artiste" ("E.A."), "Artist Piece" ("A.P.")
    Vor Beginn der ersten Auflage werden für den Eigengebrauch des Künstlers eine Anzahl unnumerierter Abzüge hergestellt - die Epreuve d'Artiste. Üblicherweise waren dies etwa 10 bis 20 Stück eines Bildes; aber zeitgenössische Künstler reservieren sich oft höhere Stückzahlen für den eigenen Gebrauch.
  • Abzüge mit Remarquen
    Unter einer Remarque versteht man am Rande der Platte vom Künstler oder Drucker angebrachte Ätzproben, die vor der endgültigen Fertigstellung der Platte entfernt werden. Diese Remarquen weisen also auf jeden Fall auf einen Druck vor der Auflage hin. Dementsprechend selten sind diese Blätter im Kunsthandel zu finden.
  • Arbeitszustände von der fertigen Platte (Etats)
    Wenn ein Künstler eine Platte herstellt, gibt es während der Herstellungszeit immer wieder Probeabzü-ge, die der Korrektur der Zeichnung und der Binnenstrukturen geschlossener Formen dienen. Solche Abzüge zeigen wunderbar die einzelnen Arbeitsschritte des Künstlers und die unterschiedlichen kom-positorischen Phasen, die ein Bild bei seiner Herstellung durchläuft.
  • Vorzugsabzüge auf seltenen Papieren
    Abzüge auf wertvollen Japanpapieen oder auf auf Seiden wurden schon zu Dürers Zeiten für ganz be-sondere Vorzugskunden angefertigt.

Abkürzungen und Signaturen auf alten Abzügen

Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert war es üblich, am unteren Rand des Bildes einige kurze Angaben zur Autorenschaft des Werkes zu machen. Hierbei bediente man sich Abkürzungen meist lateinischer Herkunft):

  • pinx. = pinxit = gemalt von...
  • del. = delineavit = gezeichnet von...
  • in., inv. = invenit = erfunden von...
  • Sc., sculp. = sculpsit = gestochen von...
  • inc. = incidit = geschnitten von...
  • Lith. = lithographiert von...
  • f., fe., fec. = fecit = gemacht von...
  • imp. = impressit, impresse = gedruckt von...
  • e., ex., exc. = excidit = erschienen bei...
    = excudit = verfertigt von...

Später wurden oft die landessprachliche Abkürzungen verwendet:
"painted, drawn, invented by..." bzw. "peint, dessiné‚ inventé par..." oder auch "engraved, aquatinted by" bzw. "gravé par...".

Künstlersignaturen finden sich in der damals üblichen Form von Initialen schon ab dem frühen 15. Jahrhundert. Bei den Künstlern solcher Druckgraphiken mit Signaturen in Form von Initialen (Monogrammen) spricht man von Monogrammisten, da diese Künstler oft nicht namentlich bekannt sind, sondern nur unter ihrem Monogramm.

Qualitätskriterien

Für ein Kunstwerk sollte eigentlich nur ein einziges Kriterium für die Beurteilung geben, und das sit die künstlerische Aussagekraft und deren Wirkung auf die Seele oder auf das ästhetische Empfinden des Betrachters und Sammlers. Allerdings gibt es bei der Druckgraphik zusätzlich dazu noch einen zweiten Aspekt, den zu berücksichtigen man nicht umhin kommt: das handwerkliche Können des Stechers.

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