Berufe / Kaufrufe

Menschen in ihren Berufen und Berufskleidungen wurden im Zusammenhang mit religiösen Motiven und Szenen schon immer dargestellt, z.B. Petrus als Fischer oder die Händler im Tempel. Reine Darstellungen von Berufen unterscheiden sich von den gerade genannten dadurch, dass ausschliesslich die Berufsdarstellungen Hauptthema sind.
Dargestellt werden vorwiegend Handwerker, Kaufleute oder Bauern in ihrer tagtäglichen Umgebung von Werkstätten und Läden und mit ihren Werkzeugen.

Entstehung und wichtige Werke

Erste Darstellungen finden sich in Holzschnitten des 15.Jhrd., grössere Bilderserien finden sich ab dem 16.Jhrd. Folgende können als wichtigste Werke der Entwicklung der Berufsdarstellung genannt werden:

  • Georg Agricola "De re metallica / Vom Bergwerk", lateinische Ausgabe Basel 1530 / 2.Ausg. 1561 / 1.dt. Ausgabe Basel 1557 / weitere 1621: bedeutendstes Werk des 16.Jhrd. über Bergbau und Hüttenwesen und Abhandlung über das gesamte technische Wissen seiner Zeit mit Holzschnitten von Hans Rudolph Manuel Deutsch (1525-1571)
  • Jost Amman "Eygentliche Beschreibung aller Haupt-Stände auff Erden", 1.Ausgabe Frankfurt a.M. bei Feyerabend 1568: Darstellung der wichtigsten Berufe seiner Zeit in Holzschnitten
  • Johann A.Comenius "Orbis Sensualium Pictus", 1.Ausgabe Nürnberg 1658 bei Michael Endter: Schulbuch mit über 200 Holzschnitten von Paulus Creuzberger
  • G.A.Böckler "Theatrum machinarum novum", Nürnberg 1661 bei Paul Fürst: eines der wichtigsten technischen Werke des 17.Jhrd. mit 154 Kupferstichen
  • Jan Luyken "Het menselyk bedryf. Vertoond, 100 Verbeeldigen van: Ambachten, Konsten, Hanteeringen en Bedryven...", 1.Ausgabe Amsterdam, 1694
  • Christoph Weigel "Abbildung der Gemein-Nützlichen Hauptstände", Regensburg 1698, sowie die Kupferstiche zu Abraham a Santa Clara (1644-1709) "Etwas für Alle, Das ist: Eine kutze Beschreibung allerley Stands-Ambts- u. Gewerbs-Persohnen...", Nürnberg 1711
  • Martin Engelbrecht "Assemblage nouveau des Manouvries habilles. Neu-eröffnete Sammlung der mit ihren eigenen Arbeiten und Werckzeugen eingekleideten Künstlern, Handwerckern und Professionen...", Augsburg ca.1730
  • Diderot "Encyclopèdie" in 35 Bänden, 1751-1780: gigantische Zusammenfassung des Wissens der damaligen Zeit mit zahlreichen Kupferstichen u.a. zum Handwerk mit seinen Techniken, Werkstätten, Werkzeugen und Produkten; in der Nachfolge erschienen im 18. und 19.Jhrd. weitere enzyklopädische Werke mit Berufsdarstellungen

Weitere teils hervorragende und aufschlussreiche Berufsdarstellungen findet man u.a. auf den Einblattdrucken der Handwerksbriefe und Arbeitsbescheinigungen für freie Gesellen.

 

     

3 Kupferstiche aus Christoph Weigel "Abbildung der Gemein-Nützlichen Hauptstände", Regensburg 1698:

  • Der Baumeister
  • Der Architekt
  • Der Landschafter

je ca. x cm, beschnitten

 

Eine Sonderform der Berufsdarstellungen sind die Kaufrufe mit Darstellung von Strassenhändlern, Ausrufern, ambulanten Handwerkern und Jahrmarktsvolk - Sonderform daher, weil sie weder zu den Zünften noch zu den etablierten Bürgern der Städte gehören und somit eine Randgruppe der Stadtbevölkerung darstellen. Die erste Sammlung von Kaufrufern entstand 1585 in Rom, besonders beliebt wurden sie im 18. und in der ersten Hälfte des 19.Jhrd.

Einige der berühmtesten Blätter mit Händlerdarstellungen sind u.a. die Schabkunstblätter der Marktrufe von Richard Earlom.

Literatur Allgemein

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Links

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