Buchmalerei / Miniaturmalerei

Unter Buchmalerei wird die Malerei oder Zeichnung in Handschriften und Büchern verstanden; Miniaturmalerei benannt nach der im frühen Mittelalter für Überschriften, Randleisten, Initialen verwendeten roten Mennigfarbe (lat.: "minium"). Die Buchmalerei umfasst die durch Buchmaler (Miniatoren) ausgeführte figürliche und ornamentale Ausstattung der Buchseiten durch Federzeichnung, aquarellierende Tönung, Grisaille und Deckfarbenmalerei, bisweilen auch mit Blattgold.

Die frühesten einen Text begleitenden Bilder enthalten die auf Papyrusrollen geschriebenen Ägyptischen Totenbücher aus der Zeit des Neuen Reiches (1552-1170 v.Chr.).

Voraussetzung für die Entwicklung der Buchmalerei war im 4.Jahrhundert n.Chr. der Übergang von der Rolle zum Kodex, dem eigentlichen Buch. Die Karolingische Buchmalerei

  • Handschriften der Aachener Hofschule Karls des Großen, u.a. Adahandschrift
  • Handschriften der Reimser Schule, u.a. Utrechtpsalter, Codex aureus, Staatsbibliothek München

knüpfte u.a. an die illusionistische Raum- und Körperdarstellung spätantiker Tradition an. Insulare und merowingische Schulen schufen im 7. und 8.Jhrd. einen eigenen Stil nach keltischen und syrisch-koptischen Vorbildern, der durch komplizierte Ornamentik gekennzeichnet ist

  • Evangeliare von Durrow und von Kells, beide in Dublin
  • Evangeliar von Lindisfarne, in London

Die Ottonische Buchmalerei, besonders der Reichenau, war von der karolingischen wie auch von der byzantinischen Tradition beeinflusst. Höhepunkte der durch aufwendige Produktion gekennzeichneten "Reichenauer Malerschule" sind eine Reihe von Prachthandschriften. Die stilistische Entwicklung wurde zwischen 1200 und 1400 vom Pariser Hof getragen. Jean Pucelle übernahm Elemente italienischer Tafelmalerei. Die niederländisch-burgundische Schule begründeten die um 1400 im Auftrag des Herzogs J.von Berry arbeitenden Buchmaler, die "Brüder von Limburg". In Zürich entstand die "Manessische Handschrift". Seit Mitte des 15.Jahrhunderts trat in Frankreich J.Fouquet beeinflusst von der italienischen Renaissance. Am Ende der flämischen Buchmalerei steht das "Breviarium Grimani" um 1520. In Deutschland endete die grosse Zeit der Buchmalerei mit dem Gebetbuch Kaiser Maximilians mit Randzeichnungen von A.Dürer, L.Cranach d.Ä., H.Burgkmair, H.Baldung u.a. (Bayerische Staatsbibliothek München und Besançon).

Schriftbild, Initiale, Ornament und Illustration

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Literatur

  • Schreibkunst - Mittelalterliche Buchmalerei aus dem Kloster Seeon, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1994, ISBN 3-7917-1418-X
  • Buchkunst des Mittelalters - Ein illustriertes Handbuch, Beiträge von Claudia List und Wilhelm Blum. Bearbeitet von Christoph Wetzel. Stuttgart u. a. 1994
  • Rothe, Buchmalerei aus zwölf Jahrhunderten. Bildaufnahmen von K. G. Beyer. Berlin 1966
  • Grimme, E. G.: Die Geschichte der abendländischen Buchmalerei. Köln 1988
  • Pächt, O.: Buchmalerei des Mittelalters. Eine Einführung. München 1989
  • Jakobi, Chr.: Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte. Berlin 1991
  • Mayr-Harting, H.: Ottonische Buchmalerei. Liturgische Kunst im Reich der Kaiser, Bischöfe und Äbte. Aus dem Englischen. Stuttgart u.a. 1991

Links

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