Farbdrucke Allgemein

Einer der brillianten Höhepunkte in der Geschichte und Entwicklung der Europäischen Druckgraphik ist in technischer Hinsicht der Farbdruck, ganz speziell derjenige des 18. Jahrhunderts. Die von mehreren Platten gedruckten Farbstiche der damaligen Zeit sind Inbegriff unserer heutigen Vorstellung vom 'galanten' Jahrhundert.
Der Farbdruck des 18. Jahrhunderts ist ein Feld unzähliger technischer Innovationen und engstens verbunden mit neuen Instrumenten und Verfahren, die ausschließlich dazu entwickelt wurden, unterschiedlichste Zeichnungstechniken nachzuahmen. Raffinierteste Techniken ermöglichen die Wiedergabe der besonderen Beschaffenheit etwa von Rötelzeichnungen, der 'trois crayons' auf farbigem Papier, lavierten Federzeichnungen, der Farbtransparenz von Aquarellen oder der Körnigkeit von Pastellen.
Diese technischen Neuerungen sind die Folge des historisch neuen Bedürfnisses, vor allem Zeichnungen in ihrer ästhetischen Eigenart - wozu auch ihre Farbigkeit gehört - wiederzugeben. Der Europäische Farbdruck des 18. Jahrhunderts ist deshalb nicht das Medium für eigene Bilderfindungen der Graphiker, sondern ein hochentwickeltes Verfahren, alte und zeitgenössische Kunstwerke druckgraphisch umzusetzen und zu verbreiten.

Herstellung

Farbdrucke können grundsätzlich auf 2 unterschiedliche Weisen hergestellt werden:

  • für jede Farbe wird eine eigene Druckplatte hergestellt
  • auf eine einzige Druckplatte werden zum Druck mehreren verschiedenen Druckfarben aufgebracht

Geschichte

Asien

Die Notwendigkeit, Grafiken mit mehr als einer Farbe zu schaffen, kam in Japan aus der Marktnachfrage. Mitte des 18.Jhrd. zur Zeit von Harunobu Suzuki, dem Vater des japanischen Farbholzschnitts, waren Bildkalender sehr gefragt. Auf Japanisch und von Sammlern werden sie "egoyomi" genannt. Sie wurden als Geschenke ausgetauscht und jeder strebte danach, das schönste und teuerste "egoyomi" zu verschenken. Die Japaner wählten zur Herstellung dieser Farbgraphiken den Weg des Mehrfarbdruckes.

Der traditionelle Prozess zur Schaffung eines japanischen Farbholzschnitts beruhte auf der Zusammenarbeit von 4 verschiedenen Personen mit streng voneinander abgegrenzten Fähigkeiten, wobei jeder von ihnen mehrere Jahre der Lehrzeit und praktischer Erfahrung auf dem jeweiligen Fachgebiet benötigte und folgende Vorgehensweise eingehalten wurde:

  • dem Künstler, der den Entwurf in Form einer als hanshita-e bezeichneten Umrisszeichnung auf dünnen, durchsichtigem Papier zeichnet
  • dem Schnitzer, der den Entwurf auf einen druckfertigen Druckstock übertrug, indem er die Zeichnung des Künstlers befeuchtet und das Papier mit dem Gesicht nach unten auf einen Holzblock aus feinkörnigem und dennoch zum Schneiden weichem Kirschholz legt. Immer an den Linien entlang fahrend wurde alles neben den Zeichnungslinien durch den Schnitzer entfernt. Das Ergebnis war der sogenannte Keyblock, auch Basis oder Hauptblock genannt, der das Design als Hochrelief zeigte. Der Schnitzer musste die heikelsten Partien wie die Konturen der Nase oder des Gesichts in einer durchgehenden Bewegung ausschneiden. Ein einmal gemachter Fehler konnte nicht mehr korrigiert werden.
  • dem Drucker, der Tinte auf die erhöhten Linien rieb und mehrere Probeabzüge machte. Diese Reliefkopien wurden an den Künstler zurück gegeben. Der vermerkte darauf die Farben, die er haben wollte und auf deren Grundlage der Schnitzer mehrere Druckstöcke für je eine Farbe herstellte. Um genaue Duplikate des Holzblocks herzustellen, benutzte der Schnitzer die Probeabzüge des Keyblocks. Für die Farbholzblöcke wurde weicheres Holz als für den Keyblock verwendet. Nachdem alle Blöcke fertig gestellt waren, bereitete der Drucker das Papier vor, indem er die Blätter aus einem grossen Bogen schnitt. Vor dem Drucken wurde das Papier zuerst befeuchtet, dann auf den Block gepresst und mit einem speziellen Werkzeug, dem Baren, aufgerieben. Dieser Vorgang musste für jede Farbe wiederholt werden. Der letzte Block, der benutzt wurde, war der Basis Block, um die schwarzen Umrisslinien auf die Grafik zu drucken.
    Für Luxusausgaben wurden besondere Pigmente zur Erzielung spezieller Effekte aufgebracht.
  • dem Verleger, der die Drucke in den Handel brachte, für den finanziellen Teil und den kommerziellen Erfolg verantwortlich war, das unternehmerische Risiko einer Edition trug und das Team koordinierte. Er erteilte dem Künstler den Auftrag und zahlte Schnitzer und Drucker.

Ein Künstler kam zumeist im Alter von 15 Jahren in eine Malschule und bleib bei seinem Meister wenigstens vier Jahre lang. Die Lehrzeit eines Schnitzers dauerte bis zu zehn Jahren.

Im Gegensatz dazu vertraten die Anhänger der Sosaku-Hanga-Bewegung ab Mitte des 20.Jharhunderts die Auffassung, dass der gesamt Vorgang vom Entwurf bis zum Einbringen des Druckes in den Handel durch den Künstler selbst ausgeführt werden sollte. Das Prinzip der Teamarbeit bei der Herstellung wurde ebenso wie in Europa durch das Konzept der "Originalgrafik" ersetzt, welches verlangt, dass ein Künstler alle Schritte selbst ausführen oder doch wenigstens aufs engste überwachen sollte.

Japanische Farbholzschnitte wurden bis ca. 1860 mit natürlichen Pflanzenfarben hergestellt und später von aus Deutschland importierten Anilinfarben verdrängt:

  • Pflanzenfarben verblassen im Laufe der Zeit. Die Dauer des Bleichens hängt ganz von der richtigen oder falschen Behandlung und Lagerung der Graphiken ab. Besonders die violetten und rosa Farben verblassen schnell und verwandeln sich in eine Art Hellgrau. Japanische Farbholzschnitte aus dem frühen 18. Jahrhundert haben selten frische Farben.
  • Anilinfarben behalten ihre ursprüngliche Leutkraft viel besser. Einige dieser Farben, vor allem Rot, haben die Tendenz, bei Feuchtigkeit auszulaufen. Dieser Effekt vermindert den Wert eines japanischen Farbholzschnitts und kommt oft bei Grafiken der Meiji-Periode vor.

Alte japanische Farbholzschnitte tragen zumeist den Namen des Künstlers, aber selten den des Schnitzers und ganz selten den des Druckers. Seit 1887 schrieb ein Gesetz vor, dass alle japanischen Farbholzschnitte das genaue Datum des Drucks und der Ausgabe tragen mussten. Von da ab wird auch der Verleger genannt - zumeist in der Form eines Siegels am Rand der Grafik.

Eine weitere Einführung zum Thema finden Sie unter ...

Europa

Drucke wurden in den früheren Zeiten schwarz-weiss hergestellt und ausnahmsweise handkoloriert, meistens schematisch oder mit Schablonen. Durch diesen Aufwand verteuerten sich die Drucke jedoch auf das drei- bis zehnfache oder je nach Aufwand noch mehr. Da aber gerade die Naturwissenschaft in ihrer sprunghaften Entwicklung im 18.Jhrd. ein grosses Interesse an frabgetreuen Wiedergaben von Illustrationen hatte, wurden immer wieder Versuche zu Herstellung von Farbdrucken gemacht.
Elisha Kirkall aus Sheffild experimentierte Anfang des 18.Jhrd. mit einem Mehrplattensystem und erzielte dabei hervorragende Ergebnisse. Für den Auflagendruck war das Verfahren jedoch zu komkpliziert und aufwendig und die Passform zu ungenau und damit zu teuer waren. Auch der von LeBlon erfundene Dreifarbdruck änderte nichts grundlegendes.
Erfolgreicher wurde die Technik des Englischen Farbpunktierstichs, die Francesco Bartolozzi in Augsburg kennenlernte und nach 1764 in London weiterentwickelte und vervollkommnete. Als sich der französische Blumenstecher Pierre Joseph Redouté zusammen mit seinem reichen Gönner, dem Amateurbotaniker L'Héritier, in London aufhielt, lernte er von Bartolozzi diese Technik.

Die wichtigsten Europäischen Farbstecher sind:

Literatur

  • Sandra Andacht, "Japanese Woodblock Prints - Collector's Value Guide", krause publications
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Links

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